Supernatural: The Hickman Files

Wie der Pfeil in den Stein kam

In Gun Barrel City, Texas

Im Purtis Creek State Park in Texas steht ein Findling, in dem ein alter Pfeil steckt. Jemand hat hastig die Worte „Dieser Stein ist verflucht“ unter den Schaft gemeißelt, der mehrere Zoll tief in den Felsen eingedrungen ist.

…das klingt ominös, nicht wahr? Nun ja. Die Wahrheit ist, um es milde auszudrücken, erstaunlich: Diesen Pfeil hat der alte persische König Arash abgeschossen. Wie es dazu kam?

Es fing mit einer Gun Show in Gun Barrel City, Texas, an. Clearwater Billy Hickman hatte seine Schwester am Zulauf des Cedar Creeks abgesetzt, damit sie dort ihre Verbindung zur Erde stärken konnte, und war selbst dem Aufruf eines Flyers gefolgt: „Brady Gun Show! Alte Waffen, neue Waffen, gebrauchte Waffen, Waffen für jeden Geschmack und Geldbeutel! Privatverkäufe erlaubt!“ Das klang doch spannend! Vielleicht wusstet ihr es noch nicht, aber Billy interessierte sich sehr für Waffen jeglicher Art.
Victoria hingegen hatte die Information bekommen, dass das Old Red Museum in Dallas, Texas, einen Teil seines Bestands verkaufen wollte – darunter auch etliche relativ alte Waffen auf einer Gun Show in Gun Barrel City. Sie wollte sich das anschauen und sichergehen, dass dort keine verfluchten Waffen oder ähnliches in Umlauf kamen.

Am Eingang zur Gun Show trafen sich Billy und Victoria. Das war nicht so schwer, weil weder der metallic-grüne Hummer noch das bunte Wohnmobil allzu leicht zu übersehen waren. Und noch ein Auto war nicht so leicht zu übersehen: Stingers brandroter Pickup-Truck war auch da! Was machte denn der hier?
Das sollten Victoria und Billy schnell herausfinden. Noch während sie auf das erste Verkaufszelt zu schlenderten, wurden sie Zeugen einer kuriosen Szene: Ein offensichtlich verwirrter Mann redete in einer fremden Sprache auf eine junge Frau ein, die gar nicht verstand, warum ihr Freund sich plötzlich so seltsam benahm. Victoria glaubte, eine Art altpersischen Dialekt zu erkennen, aber sicher konnte sie nicht sein.
Der Zwischenfall endete recht schnell, der junge Mann schüttelte sich kurz, konnte sich nicht recht erinnern, was passiert war, und stapfte los, um diese besonders großen Schnellfeuerwaffen anzusehen. Hinter ihm sahen Victoria und Billy Stinger, der erfreut grinsend auf die beiden Jäger zukam.

„Das war nicht der erste“, erzählte er nach einer kurzen Begrüßung. „Da waren noch drei oder vier andere, die so komisch gebrabbelt haben! Ich habe das aber aufgenommen“, er schwenkte sein Handy, „und schicke das jetzt an den Doc. Der ist Sprachwissenschaftler, der kennt sich damit aus!“ (Ich erzähle vielleicht ein anderes Mal, woher Stinger einen Doktor der Linguistik kannte. Es hatte mit einer Hexe zu tun.) Sobald Stinger mehr wusste, würde er Bescheid sagen, aber bis dahin trennten sich Victoria und Billy erst mal wieder von ihm.
Sie liefen noch eine Weile kreuz und quer durch die Zelte und an den Ständen vorbei. Billy fand eine Taurus Judge Magnum, einen Schrotrevolver, den er sich leider nicht leisten konnte, aber seine Cousine Victoria kaufte ihm die Waffe kurzerhand.

Schließlich kamen sie bei dem Stand des Old Red Museums an. Dort gab es etliche Bürgerkriegswaffen im Angebot, dazu ein paar indianische Steinmesser und einen Bogen. Er sah eigentlich relativ neu aus, aber die Bauweise und die Verzierungen deuteten auf die persische Antike hin. Der Student, der die Waffen verkaufte, erklärte, dass der Bogen und die drei Pfeile dazu aus dem Nachlass eines alten Iraners stammten, der seine Heimat beim Fall des Schah-Regimes verlassen hatte. Angeblich handelte es sich bei der Waffe um den Bogen Arashs – eines alten persischen Königs, der damals mit den Turanern im Krieg lag und von seinen Feinden das Angebot bekam, er könnte ja einen Pfeil abschießen und sämtliches Land, über das der Pfeil hinwegflog, würde künftig ihm gehörten (der Rest dann halt den Turanern). Arash schoss, und angeblich flog der Pfeil mehrere Meilen weit. Möglicherweise starb Arash dabei, weil er seine Lebenskraft mit dem Geschoss mitgeschickt hatte. Oder er wurde hundert Jahre alt, das wusste ja heute kein Mensch mehr.

Während Victoria und Billy sich mit dem Studenten unterhielten, kam ein anderer Interessent, berührte den Bogen kurz und fing ein paar Momente später an, altpersisch zu reden und ziemlich desorientiert dreinzublicken. Er fragte immer wieder „Turani? Turani?“, aber niemand wusste, was das hieß. Allerdings erholte er sich genauso schnell wie der andere.

Gut, irgendetwas stimmte hier nicht, also zückte Victoria ihre Kreditkarte und kaufte den Bogen (und die Pfeile). Als sie und Billy den Stand verließen, bemerkte Victoria einen schwarz gekleideten Mann mit Cowboyhut, der ihnen folgte. Zunächst wollten sich die beiden Jäger heimlich davonstehlen, aber dann überlegte Billy, was seine Schwester wohl getan hätte – na klar: Die hätte ihren Verfolger sofort konfrontiert.

Das konnte Billy natürlich auch. Der Mann in Schwarz erklärte, sein Name wäre Enrique Izbal. „Der Bogen ist verflucht“, sagte er. „Ihr müsst ihn zerstören! Mit Feuer und Salz!“ Okay, das klang ja glaubhaft, also verließen Billy, Victoria und der Fremde die Gun Show und versuchten, den Bogen anzuzünden. Leider funktionierte das nicht so richtig: Das Feuer brannte zwar munter, beeindruckte das alte Holz jedoch überhaupt nicht. Enrique versuchte noch ein paar andere Dinge – darunter einen Exorzismus. Offenbar war er ebenfalls ein Jäger!
Währenddessen spürte erst Billy, wie etwas versuchte, in seinen Geist einzudringen, dann Victoria. Clearwater Billy konnte sich gut dagegen wehren, aber Victoria war wohl etwas abgelenkt: Jedenfalls spürte sie, wie das Bewusstsein von König Arash ihren Körper kurz übernahm. Offensichtlich wusste der alte Perser überhaupt nicht, wo er war und was hier vorging – er machte sich nur Sorgen um sein Reich und die Turaner. Bösartig wirkte er nicht, und als Billy seine Cousine mit ihrem Namen ansprach, verließ er sie wieder.

Als sie erzählte, was sie über König Arash herausgefunden hatte, wehrte Enrique ab. „Das ist ein Dämon, wir müssen den Bogen zerstören“, beharrte er, aber selbst ohne gute Menschenkenntnis wurde Victoria und Billy klar, dass er nicht alles erzählte. Victoria sagte ihm: „Wir können den Bogen gerade ja ohnehin nicht zerstören, wir müssen weiter nachforschen.“ Gemeinsam brachten sie die Waffe zum Wohnmobil der Hickmans. Dort verstaute Billy sie im Inneren, während Enrique den Wagen genau musterte. So leicht würde der wohl nicht aufgeben.

Victoria und Billy fuhren mit dem Wohnmobil los. Sie wollten den Bogen abseits von größeren Menschenmengen genauer untersuchen (und abseits von Señor Izbal). Leider entpuppte sich der Mann in Schwarz als ziemlich hartnäckig und verfolgte sie in einem staubigen schwarzen Dodge. Mit dem schweren Hickman-Wagen konnten sie den vermutlich nicht abhängen. Aber da fiel Victoria ein, dass sie ja Stingers Telefonnummer hatte! Sie rief ihn an und bat ihn, Enrique abzulenken. Nun, wenn es etwas gab, das Stinger wirklich gut konnte, dann war es, für Ablenkung zu sorgen. Kurze Zeit und einen harmlosen Autounfall später waren Billy und Victoria ihren Verfolger los.

Im Purtis Creek State Park fanden die beiden Jäger eine Lichtung, auf der sie ihren Plan umsetzen konnten. Der mutige Billy rief nach König Arash, und tatsächlich tauchte der Geist auf und übernahm Billys Körper. Leider konnte er immer noch kein Englisch, und Victoria gelang es zunächst nicht, ihm begreiflich zu machen, dass er doch den Bogen abschießen möge.
Also rief sie Stinger noch einmal an. Konnte der Doc ihr vielleicht helfen? Ja, konnte er. Der Doc klang zwar, als hätte er Halsschmerzen oder wäre Batman, aber er übersetzte eine einfache Phrase ins Altpersische: „Das Reich ist sicher, König Arash, wenn du deinen Bogen noch einmal abschießt.“

Der alte Herrscher verstand, als Victoria ihm diese Worte sagte. Er hob den Bogen, nahm einen Pfeil und schoss. Billy spürte, wie der Geist ihn verließ, um mit dem Pfeil zu fliegen – allerdings nahm Arash noch einen Teil von Billys eigener Lebenskraft mit. Das war ein ganz schön anstrengender Schuss!

Nachdem Clearwater Billy sich ein wenig ausgeruht hatte, folgten er und Victoria dem Pfeil. Das Geschoss hatte mehrere Baumstämme durchschlagen und war schließlich in dem Findling gelandet – so tief, dass niemand den Pfeil so einfach wieder herausbekommen würde.
Während Victoria noch sicherging, dass König Arash seine endgültige Ruhe gefunden hatte, meißelte Billy die Worte „Dieser Stein ist verflucht“ in den Felsen. Dann nahm Victoria den Bogen, schenkte ihrem Cousin einen Pfeil als Trophäe, und machte sich mit ihm auf den Rückweg zur Gun Show.

Dort trafen sie Stinger wieder und tranken ein paar Bier mit ihm. Alles in allem eine sehr erfreuliche Gun Show! Nur was aus Enrique Izbal geworden war, wusste niemand. Stinger hatte ihn bei seinem kaputten Auto gelassen, und er tauchte auch nicht wieder auf. War er wirklich ein Nachfahre der Turaner, wie Billy und Victoria mutmaßten? Oder steckte etwas ganz Anderes dahinter? Wir werden sehen…

Comments

Marganma

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.