Supernatural: The Hickman Files

Fröhliche Weihnachten!

North Pole, New York

Na, wie verbringen die Hickmans wohl Weihnachten? Letztes Jahr saßen Billy und Heather noch zusammen mit Opa auf der Farm in Idaho und sangen fröhlich Lieder wie „Grandma got run over by a reindeer“ oder „Leroy the redneck reindeer“… aber das war vorbei.

Während also Billy etwas Anderes unternahm (dazu irgendwann mehr, wenn ich Zeit habe), machte sich Heather auf dem Weg nach North Pole, New York. Dort befand sich Santa’s Village, ein kleines Weihnachtsdorf, in dem Heather etwas weihnachtliche Stimmung tanken wollte.
Wie es nun der Zufall so wollte, befand sich auch Victoria Blackwood in New York, ebenfalls auf dem Weg nach North Pole. Sie war allerdings nicht hier, um sich an weißem Schnee und besinnlichen Liedern zu erfreuen, sondern aus einem weitaus unerfreulicherem Grund: Ihr Onkel Steward hatte sie angerufen und darauf aufmerksam gemacht, dass es in North Pole unter Umständen nicht mit rechten Dingen zuging. Im Internet hatte er etwas von seltsamen Unfällen und Grusel-Elfen gelesen, also sollte sich das lieber mal jemand anschauen.

In Wilmington, der nächsten Stadt, liefen sich Heather und Victoria über den Weg und beschlossen, gemeinsam Nachforschungen in Santa’s Village anzustellen. Es war nicht weit: Inmitten von schneebedeckten Hügeln fanden sie den kleinen, bunt erleuchteten Vergnügungspark mit ein paar kleinen Läden (für Hüte, Gebäck und andere feine Sachen), ein paar Buden (Hot Dogs mit Curry-Zimt-Soße!) und ein paar Spielgeräten (Rudolphs Schlitten). Es war einiges los, viele Touristen hatten ihren Weg nach North Pole gefunden, die meisten davon Familien mit mehr oder weniger kleinen Kindern.

Kaum hatten Heather und Victoria das Areal betreten, als schon ein Geschrei losbrach: Ein etwa achtjähriger Junge kam heulend angerannt und hatte alle seine Kleider falsch herum an. „Der Weihnachtsmann… er hat gesagt, ich war böse… ich musste meine Kleider umziehen, damit das alle sehen… und mein I-I-I-Phone ist jetzt aus Bio-Schokolade…“ Eine elegant herausgeputzte Frau versuchte ungeschickt, den Jungen zu beruhigen – offenbar ihr Sohn. Es gab noch ein wenig Unruhe, weil sie irgendwann auf einer Trillerpfeife blies und „Pädo-Alarm! Pädo-Alarm!“ schrie, aber schließlich kam ein Verantwortlicher in einem Anzug herbeigeeilt und führte Mutter und Sohn weg. Der Kleine hatte schon wieder Oberwasser und forderte ein neues iPhone. Na, da lag der Weihnachtsmann ja wohl nicht so ganz falsch.

Trotzdem war das merkwürdig. Die beiden Cousinen erfuhren von Mindy, der Elfe (keine echte Elfe, sondern eine Maschinenbaustudentin, die bei der Eiseskälte in einem dünnen Elfenkostüm steckte und dauernd lächelte), dass es schon mehrfach zu seltsamen Ereignissen gekommen war: Ein riesiges Deko-Rentier war auf ein Auto gefallen, das quer auf einem Behindertenparkplatz stand, der Glühpunsch einiger pöbelnder Jugendlicher war auf einmal mit scharfem Chili gewürzt und so weiter. Gut, stellte Heather fest. Da hatte es ja wohl nicht die Falschen getroffen. Allerdings war nicht auszuschließen, dass irgendwann doch mal etwas schiefging.
Mindy erzählte weiterhin, dass Nicolas Hopewell, der Besitzer des Vergnügungsparks, über eine Erweiterung von Santa’s Village für Erwachsene nachdachte: Mit einem Casino mit etwas knapperen Elfenkostümen und einem weihnachtlichen Spukhaus mit Zombie-Rentieren und Gruselelfen.

Heather ließ sich zunächst als Elfe anheuern, um mehr zu erfahren. Das war nicht weiter schwierig: Es gab eine kleine Ausstellung, in der sie und Victoria erfuhren, dass Santa’s Village in den Fünfzigern von Chester Hopewell aufgebaut worden war, dem Vater von Nicolas. Es gab einige Bilder des Gründers, und mit fortschreitendem Alter sah er mehr und mehr aus wie der Weihnachtsmann. Sein altes Kostüm wurde sogar in einer Glasvitrine ausgestellt. Von dem einsamen Enkel erfuhren die beiden Jägerinnen, dass der alte Mann vor wenigen Monaten gestorben war.

Später kam es zu einem weiteren Zwischenfall: Eine eitle Dame und ihre kläffende Fußhupe wurden von einem Deko-Eisbären angegriffen. Es passierte ihr zwar nichts, weil sie sich und Fluffy unter ihr Auto retten konnte, aber ganz so harmlos war das nun nicht. Der Eisbär war zwar aus Plastik, aber trotzdem ziemlich groß. Heather und Victoria beschlossen, dass sie etwas tun mussten.

Es war nicht allzu schwer, darauf zu kommen, dass Chester Hopewell von den Plänen seines Sohns nicht sehr angetan war – der Spuk war aufgetaucht, als die Bauarbeiten an der Erweiterung losgingen. „Ich könnte den Geist des alten Mannes vielleicht rufen“, erklärte Victoria, „aber ich bräuchte etwas Persönliches von ihm… Haare oder Fingernägel oder…“ „…einen Teil seines Kostüms“, ergänzte Heather. Das konnte sie als Elfe doch sicher besorgen!

Ganz so einfach war es dann leider doch nicht – es gelang Heather zwar, die Mütze an sich zu bringen, aber leider warf sie dabei die Vitrine um, wurde erwischt und verlor ihren Job. Das war aber nicht so schlimm, denn so konnten sie und Victoria sich gleich ans Werk machen.
Mit einigem Brimbamborium rief Victoria den Geist herbei, der einem alten Weihnachtsmann aufs Haar glich und ständig „Ho! Ho! Ho!“ sagte. Im Tod war er fast völlig in seiner Rolle aufgegangen, aber die beiden Frauen erfuhren, dass er von den Plänen zur Erweiterung von Santa’s Village ganz und gar nicht begeistert war. „Casino! Spukhaus! Was hat denn das mit Weihnachten zu tun?!?“
Na gut. Der Spuk würde wohl nicht aufhören, bis jemand Nicolas überzeugt hatte, von seinen Plänen abzulassen. Aber das musste sich doch irgendwie bewerkstelligen lassen?

Ließ es. Heather und Victoria überzeugten Nicolas, mit ihnen zu dem schneebedeckten Hügel inmitten von mächtigen Tannen zu kommen und dort den Geist seines Vaters zu treffen. „Aber“, sagte er zweifelnd, „Santa’s Village muss doch wachsen, sonst gehen wir pleite! Ich will Weihnachten doch erhalten!“
„Aber doch nicht so“, widersprach Heather. „Wie wäre es denn mit etwas anderem?“
„Einem Wellness-Hotel“, schlug Victoria vor.
„Genau, und einem Karussell. Oder einer Achterbahn!“, ergänzte Heather.
Ja, das sah Nicolas dann auch ein. Das war wohl weihnachtlicher als Gruselelfen und Horror-Engel. Nach einer letzten Aussprache zwischen Vater und Sohn fand Chester seine Ruhe. Na gut, die Sache mit den Kokain-Schmugglern musste er am Heiligen Abend noch erledigen, aber dafür hatte er ja einen findigen Enkel, und das hat wieder mal mit der Sache hier gar nichts zu tun.

Als sie zurück in Santa’s Village waren, gab Heather Nicolas die Mütze zurück. Dankbar schenkte er den beiden Jägerinnen daraufhin ein lebenslanges Eintrittsticket für den Vergnügungspark… eine bessere Trophäe konnte man sich zu Weihnachten nun wirklich nicht wünschen!

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Marganma

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