Supernatural: The Hickman Files

Die Sache mit der Schnappschildkröte

In Huntsville, Tennessee

Wir hatten die Hickmans und ihre Cousine Victoria Blackwood nach der Sache mit dem Trickstertuch verlassen, aber damit waren sie noch nicht fertig in Kentucky. Von Bobby Hickman und Tam Jackson hatten sie erfahren, dass zwei Leute im nahen Sumpfgebiet von einer monströsen Schnappschildkröte angegriffen worden waren, und das mussten sie sich natürlich anschauen.

Heather Star hatte allerdings einen sehr netten Menschen getroffen, der sich näher mit ihr über den Kosmos und Marihuana unterhalten wollte, deswegen beschloss sie, sich lieber der Spiritualität zu widmen. Mit einer Schildkröte würde ihr Bruder doch wohl alleine fertigwerden!

Sally – Entschuldigung, Celine – war gar nicht so wild darauf, in Kentucky zu bleiben, zumal ihr Filmdreh ja abgesagt war. Allerdings hatte ihr Agent einen neuen Auftrag aufgetan: Eine Dokumentation über genau den Sumpf, in dem die Leute angegriffen worden waren. Celine seufzte. Dann würde sie sich wohl auch um das Monster kümmern müssen…

Es erwies sich aber schnell als vorteilhaft, dass sie dabei war, denn die beiden Leute, die angegriffen worden waren, waren zwei Caterer vom alten Filmdreh gewesen, die Sally… Celine natürlich kannte. So konnte sie sie im Krankenhaus besuchen – die arme Sonya X. war bei dem Angriff schwer verletzt, ja verstümmelt worden. Da sie unter Medikamenten stand, machte sie sich nicht allzu viele Gedanken und erzählte freimütig, dass sie und ihr Kollege Burt im Sumpf hatten zelten wollen – Natur und so weiter, das sei ja gut für den Geist. Tja, für den Geist vielleicht, aber ansonsten war es eher fatal: Burt hörte in der Nacht ein Geräusch und verließ mit Sonya das Zelt. Da war etwas, etwas sehr großes, aber als Burt ein Foto davon machen wollte, biss das Monster ihm den Kopf ab. Sonya stand wie gelähmt, bis es sie auch angriff und ihren zur Abwehr hochgehaltenen Unterarm abriss. Dann rannte sie, aber sie hatte gesehen, was es war: Eine riesige Schnappschildkröte, so groß wie ein Kleinbus!
Natürlich war sie traumatisiert und dachte, diese Erinnerung hätte ihr der Schock vorgegaukelt. Sie war mit Burt ja vorher bei einer kleinen Farm im Sumpf gewesen und hatte dort Schnappschildkrötensuppe gekauft und gegessen, vielleicht war die ja schlecht gewesen? Celine sagte ihr nicht, dass die Welt viel gefährlicher war, als die arme Catererin dachte.

Vor dem Krankenhaus berichtete Victoria, dass sie natürlich schon von solchen Monstern gehört hatte. Riesige Schnappschildkröten? Ein Vorfahr von ihr hatte mal mit einer gekämpft, und nicht einmal seine Gatling hatte den mächtigen Panzer durchdringen können. (Ach, das waren noch Zeiten, als die Blackwoods mit einer Gatling auf Monsterjagd gingen!) Allerdings waren diese Kreaturen zwar Fleischfresser, fraßen aber normalerweise keine Menschen und waren generell nicht besonders aggressiv. Na, das hier war offensichtlich die Ausnahme. Nach kurzer Beratung meinte Clearwater Billy, er hätte noch etwas Dynamit hier, wenn man das unter die Schildkröte bekam, sollte die Sache damit doch erledigt sein. Gut, gesagt, getan, das Dynamit wurde eingepackt, eine Ziege als Köder gekauft und dann ging es auf in den Sumpf.

Zunächst kamen sie an der kleinen Farm vorbei, die Sonya X. erwähnt hatte. Die lag wirklich sehr einsam, aber es gab ein paar Wegweiser und einen kleinen Laden, in dem Billy, Celine und Victoria eine sehr junge Frau trafen, die sich wirklich freute, sie zu sehen. Sie hoffte ja, dass auf Dauer mehr Touristen hier vorbeikommen würden, weil die Gegend eigentlich sehr schön wäre. Die Spezialität hier war eine würzige Suppe aus dem Fleisch von Schnappschildkröten, die im Sumpf lebten und von ihren Cousins Herbert und Conrad gejagt wurden. Die Suppe gab es sogar in Dosen, und Billy kaufte sich ein paar davon. Victoria und Celine hingegen hielten sich lieber an die veganen Kürbiskern-Gojibeeren-Riegel (glutenfrei).
Allerdings fiel Celine auf, dass die junge Frau etwas bedrückte. Zögernd erzählte das Mädchen schließlich, dass vor einiger Zeit ein Umweltschützer hier gewesen war, der seltene Tierarten suchte. Vielleicht, hatte der junge Städter gesagt, könnte man hier sogar einen Nationalpark errichten. Und standen Alligatorschnappschildkröten nicht unter Tierschutz? Jedenfalls war dieser Idealist in den Sumpf gegangen und nicht wiedergekommen. Vermutlich, sagte das Mädchen, war er zurück nach Chicago gefahren, aber so ganz glaubte sie das nicht. Sie wollte aber auch nicht sagen, was ihm hätte zustoßen können, aber Celine hatte den Verdacht, es könnte etwas mit den jagenden Cousins zu tun haben.

Nach kurzem Aufenthalt kamen sie an dem kleinen Zeltplatz an, auf dem Burt und Sonya gelagert hatten. Es wehten noch ein paar Fetzen gelbes Polizeiband herum, aber generell schien die Untersuchung hier beendet zu sein. Kein Wunder, die Polizei war ja nicht zum Monsterjagen da!
Sie schlugen ihre Zelte auf und bekamen gegen Abend Besuch. Es waren Herbert und Conrad, die Schnappschildkrötenjäger. Die wollten wissen, was die Fremden im Sumpf machen und wirkten nicht sonderlich freundlich.
„Wir suchen den seltenen Juchtenkäfer“, antwortete Victoria geistesgegenwärtig. „Haben Sie den vielleicht gesehen?“
Nein, hatten sie nicht – kein Wunder, der Juchtenkäfer lebt nur in Europa, aber das wussten die beiden Hinterwäldler natürlich nicht. Schließlich verabschiedeten sich die beiden mit der Warnung, es könnte ja nachts ganz schön gefährlich sein im Sumpf. Soso.

Kurz danach brach Victoria noch einmal auf. Es ging ihr nicht gut (vielleicht der Kürbiskernriegel?), sie wollte in die Apotheke fahren, um sich Medikamente zu holen – aber leider erwischte sie am Rand von Huntsville die Übelkeit so richtig, und sie mietete sich gerade so im nächsten Motel ein. Da blieb sie dann auch erstmal. Arme Victoria!

Billy und Sal… Celine saßen also jetzt allein im Sumpf, zusammen mit der Ziege und ohne Auto. Aber das war ja nicht so schlimm, sie hatten Dynamit und Suppe, also war zumindest Billy zufrieden.
Sie machten sich etwas zu essen – Billy aß von der Schnappschildkrötensuppe, und die Ziege bekam auch etwas davon (das schmeckte ihr nicht, aber sie hatte keine Wahl). Celine waren das zu viele Kohlenhydrate zum Abendessen. Schließlich legten sich die beiden schlafen.

Aber sie konnten sich nicht lange ausruhen. Mitten in der Nacht tauchten Herbert und Conrad wieder auf – die beiden teilten die Begeisterung ihrer Cousine für Fremde, Touristik und Umweltschutz nicht. Sie wollten die merkwürdigen Eindringlinge loswerden, bevor noch jemand auf die Idee kam, ihnen das Jagen zu verbieten!
Es gab einen konfusen nächtlichen Kampf zwischen Billy, Celine und den beiden Hinterwäldlern. Schüsse fielen, es gab Verletzte, einer der beiden Männer ließ sich von Celine um den Finger wickeln und niederschlagen. Der andere… tja. Der wurde von der riesigen Schnappschildkröte erwischt. War es der Kampflärm, der sie angelockt hatte? Oder die panische Ziege? Wer weiß.

Celine flüchtete, verfolgt von dem Monster. Trotz seiner Größe war es nicht so behäbig, wie die Schauspielerin gehofft hatte – sie stolperte über eine Wurzel, und das riesige Wesen holte sie ein. Begutachtete sie einen Moment und ließ dann von ihr ab. Drehte sich um und stapfte auf Clearwater Billy zu. Das konnte Celine nun nicht zulassen – sie stürzte sich auf die Schnappschildkröte, erwischte ihren Bürzel und hielt sie mit aller Kraft fest! …nun ja. Wer weiß, ob die Kreatur das überhaupt merkte. Sally ist mutig und clever, aber leider auch eher zierlich gebaut.

Aber Billy hatte einen Plan, und das Dynamit lag bereit. Er rief seiner Cousine eine Warnung zu, zündete den Sprengstoff in letzter Sekunden und hechtete in Deckung. Das hätte auch fast funktioniert, aber die Lunte war zu kurz, die Wucht der Explosion erwischte ihn und mitsamt den Überresten der armen Schnappschildkröte flog er ungebremst durch einen Baum. Das bekam ihm nicht sehr gut, und er blieb mit etlichen gebrochenen Knochen liegen.
Auch Celine hatte kein Glück – sie war ebenfalls zu nah an der Explosion dran und wurde unter einem großen Teil des Panzers verschüttet. Glück im Unglück, sie erlitt keine weiteren Verletzungen, aber sie konnte den schweren Panzer nicht allein bewegen.

Am nächsten Morgen fanden Victoria (der es schon besser ging) und Heather Star (immer noch selig von ihrer Exkursion) die beiden, befreiten Celine und brachten Clearwater Billy in ein Krankenhaus. Dabei fiel ihnen auf, dass bei den Überresten der Schildkröte auch eine Kappe lag – eine blutbefleckte Baseballkappe mit dem Schriftzug „Our World First“. Eine Umweltorganisation, sollte das vielleicht die Kappe des Umweltschützers sein? Hatte möglicherweise sein Geist Besitz von der Schildkröte ergriffen? Falls ja, war seine Rache jetzt wohl perfekt, denn einen seiner Mörder hatte das Monster erledigt, und der andere lag etwas zu nah an der Explosion.

Aber das werden wir wohl nie erfahren. Allerdings gab es keine weiteren Vorkommnisse in dem Sumpf – Celine Hayward drehte dort ihre Dokumentation fast ohne Vorfälle, Billy blieb eine Weile im Krankenhaus, Heather erforschte noch ein wenig ihre Spiritualität und Victoria schrieb hoffentlich einen Bericht fürs Archiv.
Später fertigte Billy aus einem großen Bruchstück des Schildkrötenpanzers einen Schild für seine Schwester: Gleichzeitig ein nützlicher Gegenstand und natürlich auch eine Trophäe!

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Marganma

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