Supernatural: The Hickman Files

Die Rattenkaiserin

In Five Meadows, Vermont

Als erstes wollten Heather Star Hickman und ihr jüngerer Bruder Clearwater Billy ihre Großtante Clarissa Stiller besuchen. Das war die Tante ihrer Mutter, die früher öfter zu Besuch gekommen war und wilde Geschichten über den Cheyenne-Großvater erzählt hatte. Ob es den wirklich gab? Wer weiß. Besonders indianisch sehen die blonden Hickman-Geschwister nun nicht aus. Andererseits: Wer lässt sich schon mit einer geborenen Blackwood auf eine Genealogie-Debatte ein?

Jedenfalls, als Heather und Billy mit ihrem Wohnmobil zum Altersheim „Happy Cherry Tree“ in der Nähe von Five Meadows, Vermont, kamen, erwarteten sie schlechte Nachrichten: Tante Clarissa war tot. War im Wald spazieren gegangen und nicht wiedergekommen. Nur ihre Leiche wurde gefunden. Ihr Sohn Brandon fand das nicht so interessant wie seine Börsenkurse, ließ sie beerdigen und sagte den Hickmans nicht mal Bescheid. Und so etwas ist mit den Blackwoods verwandt! Obwohl, man sagt ja, dass das alles kalte Fische sein sollen.

Aber Heather und Billy waren misstrauisch, was den Tod ihrer Tante anging. Und zu Recht! Es gab noch zwei andere Tote, ganz ähnliche Fälle. Ein paar ältere Leutchen schilderten munter, wie übel die Leichen zugerichtet waren: Angefressen von irgendwelchen Tieren! Schlimme Sache!

Überhaupt gab es in letzter Zeit viele Ratten in der Gegend. Als Heather und Billy das Altersheim gerade verließen, trafen sie den Verminator: Simon Ortega, einen Exterminator von Ungeziefer und Kleintieren. Gebräunt, gutaussehend und ziemlich eitel. Er spielte in dieser Geschichte zwar keine weitere Rolle, aber ich kann euch versichern: Den werden wir wiedersehen.

In Five Meadows trieben sich die Geschwister eine Weile in den Straßen herum, bis ihnen in einer Seitengasse eine ungewöhnlich große, sehr aggressive Ratte auffiel. Überhaupt hatte das Städtchen wohl ein Rattenproblem – ein Restaurant war geschlossen, und die Leute redeten aufgebracht über die dreisten Nager. Es waren sogar ein paar Menschen verschwunden, als letztes ein junger Sportler.

Zurück im Wohnwagen zündete sich Heather einen Joint an und blätterte dann in einem Buch, das sie von ihrer Mutter bekommen hatte: Ein großes, dickes Journal von allen möglichen Jägern, gesammelt von den Blackwoods. Sie fand verschiedene Spuren, von Werratten über Schattenratten bis hin zu Rattenkönigen… nichts passte so richtig. Aber dann las sie den Bericht eines gewissen Algernon Hooper-Winslow. Das war ein Adliger aus dem 18. Jahrhundert – oder aus dem 17.? Jedenfalls, dieser Algernon hatte mit einem seltsamen Monster gekämpft: Einem Menschen, der sich irgendwie mit einem Rattenschwarm vereinigt hatte. Der siegreiche Jäger verlieh dem Wesen den Namen „Rattenkaiser“ und schrieb etwas von einer „großartigen Trophäe“. Denn die Jagd auf Trophäen war ja die Passion der Familie Hooper-Winslow, und die Hooper-Winslows waren die britischen Vorfahren der Blackwoods. Bei denen war diese Tradition etwas eingeschlafen, aber Heather beschloss, sie wieder aufleben zu lassen. Ein Rattenkaiser war sicher ein guter Anfang!

Heather und Billy folgten den Spuren der Ratten und Heathers Gefühl dafür, wo die Dinge nicht stimmen, aus Five Meadows heraus. Billy sprach kurz mit einer Forstgehilfin, die sich wohl Sorgen um ihn machte. Aber er versicherte ihr, dass ihm nichts passieren würde; er hatte schließlich eine Axt und ein Gewehr dabei! Das konnte sie allerdings gut sehen, weil er beides offen trug. Hm. Möglicherweise machte sie sich ja eher deswegen Sorgen.

Schließlich wurden die Spuren der Ratten immer zahlreicher. Etwa eine halbe Stunde von der Stadt entfernt entdeckten sie einen ziemlich verwahrlosten Bungalow, um den die Ratten umherwimmelten. Ohne lange zu fackeln drangen die beiden in das Haus ein. Dort fanden sie als erstes den jungen Sportler, der von den Ratten gefangen gehalten wurde – offenbar als Nahrungsvorrat!
Dann fanden sie die Rattenkaiserin, eine dürre, blasse junge Frau, die die Ratten kontrollierte. Die Kaiserin war nicht sehr angetan von ihren Gästen und befahl ihren Kreaturen, anzugreifen. Es gab einen dramatischen Kampf zwischen den Ratten und den Geschwistern (der Sportler war davongelaufen, so schnell er konnte) – Billy hackte und schoss um sich, Heather wurde ein paar Mal von einer schäferhundgroßen Ratte gebissen, aber dann gelang es beiden, ein Feuer zu legen, die Ausgänge zu versperren und den Nagetieren samt ihrer Kaiserin den Garaus zu machen.

Da weder Billy noch Heather sich unbedingt mit Förstern, Feuerwehrleuten oder gar Polizisten unterhalten wollten, verließen sie den Ort des Geschehens so schnell wie möglich. Später kamen sie noch einmal wieder, um nachzusehen, ob sie alles vernichtet hatten, und bei dieser Gelegenheit fand Heather eine kleine Krone aus Rattenknochen – nicht sehr spektakulär, aber immerhin: Sie hatte ihre erste Trophäe gefunden und konnte ihren ersten Eintrag in das Jägerjournal machen!

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Marganma

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