Supernatural: The Hickman Files

Der Termin mit dem Möwengeist

In Mystic, Connecticut

Nach den Ereignissen in Kentucky (wir erinnern uns: Trickstertuch und Schnappschildkröte) war es eine Zeitlang ruhig. Billy und Heather Star fuhren durch die Gegend, erlegten das eine oder andere uninteressante Monster, Victoria erforschte einen alten Fluch (oder womit sich Blackwoods eben so die Zeit vertreiben) und Celine Hayward drehte einen Vampirfilm, bei dem zwar ein echter Gnom, aber keine Vampire für Ärger sorgten.

Allerdings hatte Celine Clive, den Vampirfürst, nicht vergessen. War ja auch schwierig, wenn er immer wieder durch ihre Träume geisterte und ihr erzählte, sie würde ihn an seine kleine Schwester erinnern. Daher hatte sie sich mit Tam Jackson in Boston verabredet, um näheres über deren ehemaligen Jagdpartner zu erfahren.

Während also Celine und Billy schon auf dem Weg nach Boston waren, traf sich Heather Star mit Victoria in New York. Victoria hatte nämlich vor kurzem einen Besuch von Mouse Blackwood bekommen, der ihr einen Brief vom Archiv brachte.
(Mouse Blackwood ist ein immenser, muskulöser Mann, der sich nicht sehr für Bücher interessiert und lieber ins Fitnessstudio geht. Eigentlich heißt er Erasmus mit Vornamen – seinen Spitznamen hat er, weil das lateinische Wort „musculus“ sowohl „Muskel“ als auch „Mäuschen“ heißen kann. Das ist eben Blackwood-Humor. Nun ja.)

Im Blackwood-Archiv gibt es (hat man mir erzählt) einen riesigen Kalender, in dem alle möglichen Termine eingetragen sind („Geist befrieden – Donnerstag“, „Apokalypse verhindern – Januar“, „Höllenloch-Ritual – bald“ und so weiter). Wenn ein Termin ansteht, bekommt ein beliebiger Blackwood die Information, er möge sich darum kümmern. Diesmal hatte es also Victoria erwischt. Sie sollte in den Nationalpark fahren und dort die Möwen mit Fleisch füttern. Das war wohl Teil eines Pakts, den einer ihrer Vorfahren mit einem mächtigen Geist geschlossen hatte.
Na gut, Möwen fraßen normalerweise kein Fleisch. Andererseits waren die Vögel dann auch wieder nicht so wählerisch.

Also brachen Heather und Victoria auf und machten eine gemütliche Wanderung durch den Wald Als sie an der Küste ankamen, fanden sie jedoch nicht etwa den Findling, der sich Gull Rock nannte und an dem die Möwen hätten sein sollen, sondern nur einen etwas verloren aussehenden Kiosk, in dem es Postkarten, Infobroschüren und allerhand Plüschtiere gab. Die einzigen Möwen, die die beiden Jägerinnen vorfanden, waren putzige Plüschmöwen.
Auf einer Postkarte konnte Victoria den Gull Rock jedoch sehen – ein etwa tischgroßer Findling, auf dem lauter Möwen herumsaßen. Der Student, der im Kiosk arbeitete, wusste nicht, wo der Stein hingekommen war. Das Büdchen gab es seit Sommer, es wurde von der Angel Foundation finanziert. Ziemlich sinnlos, eigentlich, weil hier fast niemand vorbeikam, aber hey, er war im Voraus bis zum Frühling bezahlt worden.

Sehr verdächtig, fand Victoria. Sie und Heather finden an, im Internet nach der Stiftung zu recherchieren. Schnell zeigte sich, dass diese Foundation an etlichen Stellen in den USA an wertvollen Naturschauplätzen solche Kiosks gebaut hatten – allerdings nicht immer mit der richtigen Genehmigung. Die Stiftung war mittlerweile insolvent, die Verantwortlichen hatten sich abgesetzt. Eine andere Umweltorganisation hatte – vertreten durch eine Anwaltskanzlei – Klage erhoben. Victoria notierte sich die Nummer der Anwälte. (Wo Anwälte ihre Finger im Spiel haben, kann ja nichts Gutes rauskommen. – Oder? Dazu später mehr.)

Bei ihren Recherchen hatten die beiden herausgefunden, dass es in den letzten Monate mehrere merkwürdige Zwischenfälle gegeben hatte – drei Boote waren von etwas angegriffen worden, vielleicht einem Vogelschwarm. Alle an Bord waren zu Tode gehackt worden. (Ein Containerschiff, ein Ausflugsboot, eine Yacht.)
Natürlich erkundigten sie sich in Mystic, dem nächsten Ort, beim Hafenmeister. Der erzählte freimütig von den seltsamen Vorfällen und erwähnte, dass sich auch eine andere Frau danach erkundigt hätte. Zusammen mit ihr hätte er die GPS-Daten der drei Schiffe verglichen und festgestellt, dass alle drei sehr nahe an Ram Island in der Bucht vorbeigefahren waren.

Ram Island hatte nun eine interessante Geschichte: Vor der Ankunft der Weißen wurde die Insel immer wieder von einheimischen Stämmen für Rituale benutzt, und obwohl sich die Stämme nun keineswegs gut verstanden, gab es nie Streit durch. Danach hatten immer wieder einzelne Leute versucht, sich dort anzusiedeln, waren aber gescheitert. Das letzte Mal war das in den 70ern passiert, eine Gruppe Hippies, die meinten, sie könnten nur von Kokosnüssen und Sonnenlicht leben. Immerhin hatte es ein Mann geschafft, fast fünf Jahre auf der Insel zu bleiben. Angeblich hatten ihn die Erdstrahlen genährt. Er war völlig verwahrlost und halb verhungert gefunden und in ein Heim gebracht worden. Dort lebte er jetzt immer noch.

Heather Star war neugierig auf den alten Hippie, Sunny Jim (geb. James Brockner), also fuhren sie und Victoria los, um ihn zu besuchen. Das war für Heather ein schönes Treffen, weil sie mit Sunny Jim genau auf einer Wellenlänge lag. Sie steckte ihm heimlich ein paar Joints zu und erfuhr, dass es auf Ram Island eine Quelle gab, bei der die mystische Strahlung besonders stark war. Möwen gab es auf der Insel ab nicht. Nur Wellensittiche, die die Hippies angeschleppt hatten.

Fein. Es wurde Zeit, Ram Island einen Besuch abzustatten, aber nicht mehr an diesem Tag. Abends im Hotel sahen Victoria und Heather noch eine gutaussehende Brünette, die mit einem gutgekleideten Mann im Anzug flirtete, aber sie maßen ihr keinerlei Bedeutung bei. Hätten sie mal lieber auf die Zähne geachtet!

Am nächsten Morgen fuhren sie mit Kenny und seinem Mietboot los. Er machte sich etwas Sorgen um seinen Kollegen Jason, der wohl letzte Nacht noch rausgefahren war – das Boot war zwar zurück, aber es war nachlässig vertäut. Das sah Jason gar nicht ähnlich, und erreicht hatte er ihn auch nicht.
Nun, zunächst war Ram Island aber wichtiger. Als sie sich der Insel näherten, tauchte ein ganzer Schwarm Möwen auf und ließ sich bedrohlich auf dem Boot nieder. Aber die beiden Jägerinnen waren gut vorbereitet: Sie hatten sich zur Abwehr gegen einen Vogelgeist in feuerfarbene Gewänder gehüllt. Victoria hatte zusätzlich noch ein bronzenes Amulett aufgetrieben, das weiteren Schutz bringen sollte.
Außerdem hatten sie Fleisch und andere Leckereien dabei. Heather bot den Möwen etwas davon an und schaffte es, die Tiere zu überzeugen, dass sie mit guter Absicht gekommen waren. Sie und Victoria durften die Insel betreten, Kenny blieb beim Schlauchboot zurück und wartete auf die beiden.

An der Quelle wurden Victoria und Heather von dem Möwengeist in Gestalt eines kräftigen Indianers mit prächtigem Schmuck aus Möwenfedern empfangen. Er war sehr ungehalten, weil die Blackwoods versprochen hatten, sich um seinen Stein zu kümmern – aber dann waren Leute gekommen und hatten ihn ins Meer gekippt. Er musste Gull Rock verlassen und hatte diese Insel gefunden, die er auch ganz angenehm fand. Trotzdem: Der Pakt war gebrochen worden, und letzte Nacht war eine Frau dagewesen, die ihm einen neuen Pakt angeboten hatte. Mehr Macht für ihn, wenn er sich mit ihrem Meister Clive verbünden würde.
Clive? Oha! Heather und Victoria erklärten, dass es sich hier um einen Untoten handelte. Das hatte der Möwengeist schon gemerkt, war aber tatsächlich nicht sehr angetan davon. Mit einer mitreißenden Rede überzeugte Heather ihn, dass der Vampir viel versprach, was er nicht einhalten konnte – sie und Victoria würden ihr Bestes versuchen, um ihm unerwünschte Gäste vom Hals zu halten, und sie würden jährlich neue Opfer bringen. Das akzeptierte er; vermutlich spürte er, dass Heather und Victoria es ernst meinten.

Nach einer kleinen Feier, bei der der Möwengeist jeder der beiden Frauen eine seiner Federn als Unterpfand schenkte (eine Trophäe für Heather!), kehrten die beiden Jägerinnen mit Kenny zurück nach Mystic. Es stellte sich schnell heraus, dass Jason zum Opfer eines Vampirs geworden war – die Brünette aus dem Hotel! Sie nannte sich Yvette Boudreaux, hatte Mystic jedoch bereits verlassen. Vermutlich hatte ihr jemand den Namen „Hickman“ zugetragen, und da wurde ihr der Boden zu heiß.

Zuletzt riefen Heather und Victoria bei der Anwaltskanzlei in Chicago an und sprachen mit Donald Jackson. Der erklärte ihnen, dass die treibende Kraft hinter der Angel Foundation nicht mehr existierte („er ist über seine eigenen Machenschaften gestolpert“ war die Erklärung). Gut, das war ja schön, aber der Schaden war schon angerichtet. Victoria informierte das Archiv über diese Entwicklung – die Blackwoods sollten ein Auge auf diese überflüssigen Kiosks haben.
Heather erzählte dem Anwalt, dass Clive Galloway vielleicht einen Vorteil aus der Situation ziehen wollte. Dr. Jackson meinte, der Name käme ihm bekannt vor, er würde Erkundigungen anstellen lassen.

Danach brachen Heather und Victoria auf, um sich wieder mit Billy und Celine zu treffen und herauszufinden, was den beiden in der Zwischenzeit widerfahren war…

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Marganma

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