Supernatural: The Hickman Files

Bakus und Vampire

Chicago, Illinois

Sally Hickman – Entschuldigung, Celine Hayward hatte es geschafft, eine Rolle in Chronos Limit, einer TV-Serie über zeitreisende Monsterjäger, zu ergattern: Sie war die grausam-schöne Vampirkönigin, die in der fünften Folge der zweiten Staffel von den Helden geschlagen wurde. Aber sie überlebte, und das Studio hatte Celine gefragt, ob sie nicht vielleicht Lust hätte, Lucrea noch einmal zu spielen. Klar hatte Celine das!
Leider gab es ein kleines Problem: Der erfolgreiche Drehbuchautor Andrew Delane, der für den Lucrea-Plot zuständig war, hatte Anfang des neuen Jahres angekündigt, seinen Job an den Nagel zu hängen und BWL zu studieren.

Davon hatte Celine noch gar nichts mitbekommen, als sie Billy und Heather an einem kalten, windigen Tag in Chicago traf. Allerdings währte die Freude über das Zusammentreffen nicht lange, denn Heather zeigte der Schauspielerin den Zeitungsartikel über Delane – da stimmte doch etwas nicht! Das war doch sicher ein klarer Fall für die Hickmans!
Gut, mehr oder weniger glücklich schloss sich Celine ihren Verwandten an. Sie wollte doch mit der Monsterjagd eigentlich nichts mehr zu tun haben. Na, da ist sie in die falsche Familie hineingeboren worden, und es wird für sie noch schlimmer werden. Aber ich will da nicht zu viel verraten.

Gemeinsam fuhren die drei nach Arlington Heights, wo Andrew Delane lebte. (Zufälligerweise wurde dort 2010 das Remake von Nightmare on Elmstreet gedreht, aber das hat mit der Geschichte nur am Rande zu tun.) Der arme Mann war ziemlich verwirrt, als Celine so unvermittelt bei ihm auftauchte, noch dazu mit ihren „Assistenten“ im Schlepptau. Aber ihm war tatsächlich etwas zugestoßen, er fand generell alles verwirrend und ließ sich leicht überreden, seine Gäste hineinzulassen und ihnen alles zu erzählen. Gut, als er Heather in seinem Schlafzimmer vorfand, war er kurz irritiert, ließ sich aber überzeugen, dass sie ja nur die Toilette gesucht habe.
„Ich habe einen ganz normalen Abend mit meinem Freunden in einem Restaurant verbracht“, erzählte er, immer mit einem fragenden Unterton, als wäre er sich nicht ganz sicher, ob das wirklich ihm passiert war. „Dann ging ich heim, schrieb noch ein wenig und legte mich dann schlafen. Als ich aufwachte, wusste ich erst mal gar nicht, wo ich war. Oder wer ich war. Das legte sich wieder, aber… ich kann nicht mehr schreiben. Mir fällt einfach nichts mehr ein… ich dachte ja, ich könnte vielleicht BWLer werden, aber das ist mir dann auch zu langweilig.“ Traurig sah er zu einem Stapel Lehrbücher über Volkswirtschaft hinüber.
„Ich war auch bei der Polizei, ich dachte ja, vielleicht hat mir jemand etwas in den Drink getan oder so, aber eine Blutuntersuchung ergab nichts. Aber ich hatte da diese seltsame Verletzung …“ Er deutete auf eine Stelle an der Schulter, wo man noch schwache Spuren eines runden Mals erkennen konnte. Was war denn das? Die Ärzte hatten es nicht gewusst.
Viel mehr konnte er nicht erzählen. Heather schaute sich im Garten um und fand heraus, dass sich etwas oder jemand Zutritt zu seinem Schlafzimmer verschafft hatte („Ich schlafe ja immer bei offenem Fenster!“), aber sie konnte keine richtigen Spuren finden. Es war zu leicht für einen ausgewachsenen Menschen, aber das war ja ein weites Feld.

Schließlich verließen die drei Jäger – Entschuldigung, die zwei Jäger und Celine – den glücklosen Drehbuchautoren wieder. Auf der Straße fiel Billy ein merkwürdiger Vorfall auf: Ein sichtlich übermüdeter Mann in teurem Anzug (ein Fondsverwalter für Immobilienfonds namens Sean McNamara, dessen Großvater ein Jäger gewesen war) blieb plötzlich stehen und blinzelte einen Hydranten an. „Was für ein komischer Hund“, murmelte er.
Heather sprach ihn sofort an. „Was ist denn los?“, wollte sie wissen.
„Nichts, nichts“, erwiderte der Fondsverwalter fahrig. „Der Hund da…“, er deutete auf den völlig hundefreien Hydranten, „…na, ich dachte, er sähe seltsam aus. Bin wohl übermüdet. Na, jetzt läuft er weg.“ Sein Blick folgte etwas weg von dem Hydranten in Richtung des Memory Gardens Cemetary. Heather stellte ihm noch ein paar Fragen, aber er wollte mit der hippiesk aussehenden jungen Frau nicht viel zu tun haben und eilte davon.

Aber die drei Hickmans hatten eine neue Spur. Neugierig begaben sie sich auf den Friedhof und schauten sich dort um. Viele Gräber mit japanischen Namen, stellten sie fest. Es dauerte nicht lange, bis sie ein junges Mädchen entdeckten, das desorientiert auf einer Bank saß.
Heather und Celine sprachen sie an. Sie wusste nicht so recht, was eigentlich passiert war – sie konnte sich nicht einmal erinnern, weshalb sie sich bei der eisigen Kälte auf einem Friedhof war. Ihr Name war Miriam, in ihrer Tasche entdeckte Celine ein paar Farbdosen. Vielleicht eine jugendliche Sprayerin? Sie sah ziemlich heruntergekommen aus, also luden die Cousinen sie zunächst auf einen Kaffee und etwas zu Essen ein.

In der Zwischenzeit hatte sich Billy weiterhin umgeschaut und war ins Gespräch mit einer alten Japanerin gekommen. Miyuki erzählte ihm, dass sie unter Schlafstörungen litt und öfter auf dem Friedhof die Gräber anschaute. Auf den seltsamen Hund angesprochen, meinte sie: „Ach, die Baku meinst du? Ja, die wohnen hier auf dem Friedhof. Das sind japanische Geister, die Alpträume fressen. Die sehe ich ab und zu. Liegt vermutlich am Schlafmangel, da halluziniere ich alles Mögliche… du hast nicht wirklich drei grüne Hörner, oder?“

Baku? Davon hatten die Hickmans natürlich schon gehört: Japanische Geister, im Allgemeinen wohlwollend, die Träume fraßen. Meistens Alpträume, aber es konnte schon mal vorkommen, dass auch mehr gefressen wurde, und dann verlor das Opfer jegliche Kreativität und Antrieb. Ein Mensch konnte Baku nur sehen, wenn er völlig übermüdet war.

„Na“, freute sich Heather, „das ist ja einfach. Ich suche mir einfach einen netten jungen Mann, wir verbringen ein paar nette Stunden miteinander, dann bin ich erschöpft und übermüdet.“
Celine war sich zwar nicht so sicher, ob das der richtige Weg war, aber Heather war Feuer und Flamme. In einem nahen Diner traf sie Glenn und ging mit ihm nach Hause. Nach getanen netten Stunden erzählte ihr Glenn jedoch, dass er ein Silbermond-Druide wäre, der seinen Weg verloren hätte. „Ich spüre eine starke Verbindung zu Gaia in dir“, sagte er zu Heather. „Kannst du mir bitte helfen, meinen Weg wiederzufinden?“ Na, da konnte sie schlecht Nein sagen. Also schrieb sie Billy eine SMS und machte sich mit Glenn auf den Weg in die Wildnis, um ihn zurück zu Mutter Erde zu bringen.

In der Zwischenzeit war auch Victoria in Chicago angekommen. Sie hatte von ihrem Onkel Steward eine merkwürdige Story gehört: Drei Zeugen in einem Mordprozess hatten ihr Gedächtnis verloren. Das klang ungewöhnlich, und Victoria wollte sich das einmal ansehen.
Unterwegs traf sie Celine und Billy (Heather war ja mit Glenn beschäftigt). Gemeinsam trafen sie sich mit einem Reporter, der einen Artikel über diese Sache geschrieben hatte.

„Also“, erklärte der junge Mann. „Ich fange besser vorn an: Nick Galloway ist ein Pate im irischen Mob von Chicago. Charles Flannagan ist sein Mann fürs Grobe. Bei einer intensiven Untersuchung bezüglich eines Immobilienskandals sind Hinweise ans Licht gekommen, dass Flannagan drei Leute – eine Reporterin, einen Privatdetektiv und einen Wirtschaftsprüfer – um die Ecke gebracht hat, damit sie nichts erzählen können. Es gab aber drei Zeugen für diese Morde: Einen Taxifahrer namens Oscar Lancy, einen Ladenbesitzer namens Gupta und eine weitere Person, die von der Polizei aber streng geheim gehalten wird. Vermutlich auch ein Mobster. Eine Quelle hat mir erzählt, dass alle drei vor zwei oder drei Wochen ihr Gedächtnis an die Vorfälle verloren hat. Offenbar waren alle drei desorientiert aufgewachte und konnten sich an nichts mehr erinnern.“ Er schüttelte den Kopf. „Die Polizei vermutet wohl Drogen oder Erpressung.“

Celine und Billy wechselten einen bedeutungsvollen Blick. Nachdem der Reporter sich wieder verzogen hatte, erzählten sie Victoria von den Baku in Arlington Heights. Die hatte natürlich schon von Baku gehört: Geschaffen aus den Resten der Schöpfung, eigentlich gute Geister. Konnten nur mit Waffen aus weißer Jade getötet werden (Billy horchte bei dem Wort „Waffen“ auf), aber man konnte mit ihnen sprechen und verhandeln, auch wenn Victoria gehört hatte, sie wären „seltsam“. Um so einen Baku zu beschwören, brauchte man allerdings einen geweihten Mikoshi – einen Shinto-Reiseschrein. Ob es so etwas in Chicago gab?

Gab es. Und zwar bei den Requisiten von Chronos Limit.Ein echter Mikoshi, von einem echten Shinto-Priester geweiht. (Das hatte seine Gründe, aber die haben mit der Sache nur am Rande zu tun… es ging um Feng-Shui.)
Na, dann würden sich Billy, Victoria und Celine mal daran machen, die Baku zu beschwören. Bei dem Gespräch mit dem Reporter, dem Herumgefahre durch den Berufsverkehr von Chicago und dem Beschaffen des Schreins hatten sich Billy und Celine ordentlich müde gelaufen, und Victoria war ohnehin die Nacht durchgefahren.

Als sie zurück nach Arlington Heights kamen, war es schon dunkel. Das war auch ganz gut, denn Beschwörungsrituale wirken oftmals befremdlich für Zuschauer. Wer weiß, was die Friedhofsgäste gesagt hätten.
Mit dem Mikoshi, etlichen Räucherstäbchen und passenden Gebeten rief Victoria die Bakus, und nach ein paar Minuten tauchten die Geister tatsächlich auf: Etwa so groß wie ein Bernhardiner, mit Tigerfell und -klauen, einem Ochsenschwanz und einem Elefantenrüssel. Es waren sieben Stück, die aufgeregt um die drei Menschen herumwuselten.

Victoria unterhielt sich zunächst eine Weile auf Japanisch mit den scheuen Wesen, aber es stellte sich bald heraus, dass sie auch Englisch konnten.
„Wir wollen groß und stark werden“, erklärten die Bakus. „Dafür müssen wir viel trinken… nicht nur die leckeren Sachen. Das hat die Frau gesagt.“
Was das denn für eine Frau war, wollten Billy und die anderen wissen. „Eine kalte Frau mit dunklem Fell. Sie hatte ein Auto, und wir durften damit fahren!“ Einige Bakus waren ganz aus dem Häuschen, andere fanden das gar nicht so schön.
Aber es war klar, dass die „kalte Frau“ die Geisterwesen nach Chicago gebracht hatte, um sie auf die Zeugen zu hetzen.
„Das ist nicht gut für die Menschen, was ihr da tut“, erklärten Victoria und Celine nachdrücklich. „Denen geht es jetzt sehr, sehr schlecht.“
Das wollten die Bakus nun nicht. Sie wollten nur helfen! Aber sie wussten nicht, wie sie das rückgängig machen konnten – sie waren bereit, auf die neugewonnene Kraft zu verzichten, aber wie das genau gehen sollte… vielleicht gab es einen Heiligen Mann, der da helfen konnte?
Das mussten Billy und die anderen erst noch herausfinden. Sie verabredeten mit den Bakus, dass sie sie wieder rufen würden, wenn sie eine Möglichkeit gefunden hatten. Danach durften die Geisterwesen noch eine Weile in Victorias Hummer herumfahren, bis einem davon fast schlecht wurde.

Gegen Morgen legten sich die drei erstmal ein paar Stunden hin, bevor sie auf die Suche nach einem Shinto-Priester gingen. Das Glück war ihnen hold: In einem japanischen Laden fanden sie außer Mangas und Animes in Originalsprache auch jede Menge Räucherstäbchen, Figurinen und andere Dinge, die man für die Ahnenverehrung so braucht. Außerdem fanden sie Haruko, einen recht jungen, recht modernen Shinto-Priester. Es gelingt Celine und Victoria, ihn zu überzeugen, dass es ein Problem mit den Baku gibt und dass sie seine Hilfe brauchen. Gut, er war Shinto-Priester, also glaubte er auch an Baku – das machte es einfacher. Schließlich fingen Victoria und er an, ein Ritual zu planen, um die Betroffenen zu heilen.

(Celine hatte während ihres Nickerchens von Clive geträumt. Der erzählte ihr wieder, dass er in ihr seine kleine Schwester sah – und dass sie zur Jägerin werden müsste, damit sie eine Chance hatte, zu überlegen. Dafür würde er schon sorgen!)

Ein paar Stunden später tauchte Heather wieder auf. Sie hatte Glenn geholfen, wieder ein bisschen besser mit sich und seiner Druidizität (sein Wort, nicht meins!) klarzukommen, und war jetzt bereit, sich weiter um die Sache mit den Bakus zu kümmern.
Da das Ritual am besten funktionierte, wenn alle Beteiligten ihre Träume auf einmal wiederbekamen, machten sich Heather, Victoria und Celine auf den Weg, um den Taxifahrer und den Ladenbesitzer zu suchen. Billy ging in der Zeit los, um nach Miriam zu schauen.
Leider war Billy damit ziemlich beschäftigt, weil das antriebslose Mädchen von einem russischen Bärenmonster entführt worden war und er sie erst einmal aus dessen Fängen befreien musste. Das Monster entkam allerdings. Deswegen kam er zu den Ereignissen beim Baku-Ritual zu spät, und Miriam leider auch.

Der Ladenbesitzer war nicht schwer zu finden – er war in seinem Laden und schaute trübsinnig vor sich hin. Das änderte sich, als Celine ihm erklärte: „Wir sind hier, um Ihnen zu helfen.“ Leider dachte er, die drei Frauen wären von der irischen Mafia, und Celine ließ ihn auch in diesem Irrglauben. Es war leichter, ihn mitzunehmen, wenn er Angst vor ihr hatte. Heather fand das nicht in Ordnung, aber das störte Celine wenig. Es war jedenfalls effektiv, denn Mr. Gupta schloss seinen Laden ohne weitere Widerworte und kam mit.
Oscar Lancy, der Taxifahrer, war schnell gerufen. Er war nicht allzu freundlich und hatte keine Lust, mit Heather Smalltalk zu betreiben. Nach ein paar kitzligen Momenten, als Gupta ihn vor dem irischen Mob warnen wollte, überzeugte Celine ihn, doch lieber mitzukommen.

Als sie bei Andrew ankamen, trafen sie Haruko, der gerade den Schrein ins Haus bringen wollte – leider wusste der Drehbuchautor gar nichts von dem Plan und ließ ihn nicht hinein. Während die drei Cousinen das Missverständnis aufklärte, nutzte Gupta die Gelegenheit zur Flucht, allerdings konnte Victoria ihn schnell in Oscars Taxi wieder einfangen.
Nach einer kurzen Besprechung und knappen Erklärungen rief Victoria zunächst die Bakus zum Haus. Da Andrew ja bekanntlich seine Fenster gern gekippt ließ, hatten die Wesen keine Probleme, einzudringen und tauchten im Wohnzimmer auf, sehr zur Überraschung von Oscar. Der arme Taxifahrer war übermüdet genug, um die merkwürdigen Wesen zu sehen, Heather allerdings nicht.

Gut. Haruko meinte, die drei Opfer müssten schlafen, also mischte Heather Andrew, Mr. Gupta und Oscar einen beruhigenden Tee. Zwanzig Minuten später schliefen die drei Männer friedlich auf dem Boden des Wohnzimmers, und Haruko begann das Ritual.
Das dauerte eine Weile, und währenddessen bemerkte Heather draußen drei Männer, die aus einem Auto stiegen und sich sehr für das Haus interessierten. Alle drei waren weiß und sahen aus wie Schläger. Irische Schläger. Die wollten doch nicht… Natürlich wollten sie. Na, ich will es nicht zu spannend machen: Es waren Vampire. Glücklicherweise noch sehr junge Vampire, die nicht recht wussten, wie sie ihre Kräfte einsetzen sollten. Sie ließen sich von Celine ordentlich an der Nase herumführen, und es gelang den drei Frauen sogar, einen von ihnen zu köpfen. Celine warf den Kopf theatralisch aus dem Fenster (da muss sie doch an die Szene in Beasts of the Bloody Cypress Yard gedacht haben, in der Jensen Ackles den Kopf ihrer Figur vom Balkon der Südstaatenvilla fallen ließ…).

Nach diesem Sieg verzogen sich die beiden Überlebenden, aber es dauerte nicht lange, da tauchte einer davon mit einer dunkelhaarigen Frau auf. Einer Frau, die Heather und Victoria kannten: Yvette Boudreaux, die Vampirin, die versucht hatte, den Möwengeist aufs Clives Seite zu ziehen! Und jetzt war sie hier! Vor dem Haus!
Aber sie wollte erstmal nur reden. Vor allem mit Celine. Das war fast ein höfliches Gespräch, in dem Yvette mit der Schauspielerin über Clive redete, und mysteriöse Andeutungen über Genealogie machte. Das verstand Celine leider nicht.
Während die beiden im Vorgarten redeten, roch Heather Rauch – aus dem hinteren Teil des Hauses! Schnell gab sie Victoria ein Zeichen, und die beiden Frauen rannten zur Küche. Dort lag ein Molotov-Cocktail auf dem Boden, Flammen krochen des Rosenspalier nach oben, bald – sehr bald – würde das ganze Haus brennen!
Victoria eilte zu Haruko und tat alles, um das Ritual zu beschleunigen, während Heather die Tür zur Küche behelfsmäßig verbarrikadierte, um die Flammen zu bremsen. Und das mit einem Flammenwerfer auf dem Rücken! Das hätte schiefgehen können, liebe Heather! (Was genau Andrew mit dem Flammenwerfer in seinem Arbeitszimmer wollte, kommt in der dritten Folge der zweiten Staffel von Chronos Limit heraus.)

Schließlich bemerkte auch Celine das Feuer. Yvette verabschiedete sich mit einer süffisanten Bemerkung, während die Jäger Haruko, die Schlafenden, den Schrein und die geschwächten Bakus aus dem Haus schafften. Immerhin gelang ihnen das ohne weitere Zwischenfälle. Danach wollten sie dann aber lieber weg, bevor die Feuerwehr auf die Idee kam, Fragen zu stellen. Celine war geistesgegenwärtig genug, um den abgeschlagenen Vampirkopf noch ins Feuer zu werfen, dann machten sie sich davon. Irgendwie würde Andrew schon erklären können, wie die kopflose Leiche in sein Haus kam… immerhin hatte Heather einem Feuerwehrmann etwas von einer wilden Party erzählt. Naja, Andrew dachte sich von Beruf Geschichten aus. Der würde das schon schaffen. Heather nahm eines der Post-its, auf das er seine Ideen notiert hatte, als Trophäe mit.

Danach gingen die drei Frauen noch einen Kaffee trinken, und Celine fragte Heather: „Warum gerate ich eigentlich immer genau dann in Schwierigkeiten, wenn ihr irgendwo auftaucht?“ Heather antwortete: „Das liegt dir im Blut, liebe Cousine. Es ist dein Schicksal!“ Das wollte Celine aber nicht einfach so hinnehmen – sie war Schauspielerin, verdammt noch mal, und keine Monsterjägerin! (Da hatte sie wohl vergessen, dass sie eine Hickman ist. Da kommt man nicht so leicht raus, Sally.)
Die beiden stritten sich noch ein wenig herum, bis Victoria einwarf: „Und was machen wir jetzt wegen Yvette? Und ihrem Babyvampir?“

…tja. Das werden wir wohl noch herausfinden.

Aber zunächst erhielt Heather einen Anruf von Glenn: Er brauchte ihre Hilfe mit seinem Druidenzirkel. Dringend! Nun gut, das ließ Heather sich nicht zweimal sagen – Druiden helfen war doch immer eine prächtige Idee, vor allem dem gutgebauten Glenn.
Sie gab sich also mit Billy die Klinke in die Hand, der gerade Miriam bei Haruko abgeliefert hatte und von dem Bärenmonster in der Kanalisation erzählte. Angeblich wollte es nur traurige Lieder von dem Mädchen vorgesungen bekommen und hatte sie deswegen verschleppt.

Während die drei noch über dieses seltsame Gebaren herumrätselten, klingelte Celines Telefon: Es war Gupta. „Ich brauche Hilfe!“, rief der kleine Pakistani in heller Aufregung. „Da ist ein Monster!“ Celine riet ihm zu einem Salzkreis und machte sich dann mit den beiden anderen auf den Weg. Beim Laden wäre Billy fast von Gupta erschossen worden, als er ungestüm in den Raum stürmte, aber das Missverständnis ließ sich aufklären.
Was war denn nun passiert? Der russische Bärengeist schon wieder! Der hatte Gupta angegriffen! Warum? Das wusste der Ladenbesitzer nun nicht, aber er war schnell bereit, die Stadt mit seiner Familie zu verlassen und einen Cousin in Idaho zu besuchen.

Da Billy, Celine und Victoria vermuteten, dass der Bärengeist hinter den Zeugen her war, stellten sie ihm eine Falle – und benutzten den armen Oscar Lancy als Köder. Das klappte allerdings hervorragend, das russische Monster tauchte auf und wollte dem Taxifahrer den Garaus machen, aber Celine konnte es davon abbringen. Eigentlich wollte der Bärengeist ja nur Wodka, und diese Vampirin hatte ihm viel Geld versprochen, wenn er Gupta, Oscar und noch einen anderen umbringen würde. Aber kein Problem, Victoria und das Blackwood-Vermögen waren ja da und brachten ihn von dieser Idee ab.

In der Stadt konnte man ihn trotzdem nicht lassen. Victoria wusste, dass der Geist an etwas gebunden sein musste, und bei einem kurzen Besuch im Field-Museum fanden sie heraus, an was: An eine alte russische Flöte, die aus dem Knochen eines Bären geschnitzt war. Kein Problem: Der Bärengeist schlug die gesicherte Vitrine ein und rannte dann schnell davon, während Victoria die Flöte in ihrer Jacke versteckte und zum Ausgang schlenderte.
Dann brachten die drei Jäger den Bärengeist auf ein Reservat nördlich von Chicago und überließen einem Heiligen Mann dort die Flöte. Der versprach, sich um Wodka (denn so, und nur so, wollte der Bärengeist genannt werden) zu kümmern und auf ihn aufzupassen. Das sollte in der nächsten Zeit auch ganz hervorragend funktionieren, und es würde lange dauern, bis Billy Hickman Wodka wiedertraf. Sehr lange.

Die drei kehrten zurück nach Chicago und trafen sich wieder mit Heather. Billy beschloss, zu Miriam zu fahren und ihr zu helfen, ihre Träume von den Bakus zurückzubekommen. Heather (die nach etlichen Herumzickereien in Glenns Druidenzirkel genug von ihm und seinen Silbermondinen hatte), Victoria und Celine wollten sich um die Vampirin Yvette Boudreaux kümmern – Wodka hatte erzählt, wo er sich mit ihr verabredet hatte, um das Geld für die Morde an den Zeugen einzukassieren.

Allerdings wollte so etwas gut vorbereitet sein. Zunächst ging es zu einem Bestatter, um Leichenblut zu besorgen – angeblich für eine Performance als Requisite. Celine überzeugte in ihrer Rolle als durchgedrehte Künstlerin restlos, und Victorias Brieftasche wischte die letzten Bedenken des Bestatters beiseite.
Als nächstes ging es in den Zoo, wo Victoria ein Betäubungsgewehr stahl, während Celine und Heather für Ablenkung sorgten (Celine küsste unter großem Beifall der Zoobesucher eine Tierpflegerin).

Schließlich fuhren die drei zu dem Kiosk, wo sich Wodka um Mitternacht mit Yvette verabredet hatte, um seine Belohnung abzuholen. Celine hatte sich als der Bärengeist verkleidet – eigentlich hätte das ja Billy machen sollen, aber als Schauspielerin fühlte sie sich der Rolle durchaus gewachsen und brummte zur Einstimmung, dass es eine wahre Freude war. Victoria hingegen nahm sich ein Hotelzimmer gegenüber, lud das Betäubungsgewehr mit dem Todmannsblut und legte sich auf die Lauer. Heather übernahm es, den unauffälligen Mietwagen zu fahren – schließlich würde das Blut die Vampirin nur lähmen, also mussten sie sie schleunigst wegschaffen.

Wenn ihr jetzt Jäger kennt, wisst ihr, dass Planung häufig der schwerste Teil ist, weil oft viel zu viele Möglichkeiten in die Waagschale geworfen werden. Aber nicht so hier: Die drei Cousinen planten ohne viel Federlesens, begaben sich auf ihre Positionen und warteten. Ja, einmal mit Profis arbeiten – so sieht das nämlich aus!

Der Plan klappte dann auch wie am Schnürchen: Yvette tauchte auf, ging auf den vermeintlichen Bärengeist zu, wurde von Victoria abgeschossen, Heather fuhr den Wagen vor, und bis sie und Celine die reglose Vampirin ins Auto geschleift hatten, schoss Victoria noch den irischen Gangstervampir an und rannte nach unten. Yvettes Gehilfe hatte davon eigentlich schon genug und machte sich hastig aus dem Staub, während die drei Jägerinnen mit ihrer Beute davonfuhren; Heather und Celine im Mietwagen und Victoria im dunkelroten SUV der Vampirin.
Am Hafen machte Heather nicht viele Umschweife, sondern griff die Machete und köpfte Yvette. „Aber“, sagte Celine, „wir hätten noch viel von ihr erfahren können!“ „Mit Vampiren redet man nicht“, erklärte Heather überzeugt. „Die muss man köpfen. So habe ich das von Opa Darren gelernt!“

Dann plünderten sie Yvettes Eigentum. Viel hatte sie nicht dabei: Schmuck, ein Handy (gesperrt), kein Laptop, aber ein dünnes Tagebuch. Darin ging es hauptsächlich darum, wie großartig Clive war. Oh, und dass sie diverse Monster aufgehetzt hatte. Offenbar hatte Clive einen Plan!
Leider stand im Tagebuch nichts Genaueres zu diesem Plan. Nun ja. So ist das mit Schurken – die verkünden ihre Pläne immer erst dann, wenn sie einen gefangengenommen haben und sich in Sicherheit wiegen. Das ist zwar ein Filmklischee, aber es passiert auch in der Wirklichkeit öfter, als man denkt.

Zu guter Letzt nahm sich Heather einen Lippenstift aus Yvettes Handtasche als Trophäe und führte mit Celine ein Gespräch über die Gemeinsamkeiten zwischen Jägern und Serienmördern (es gibt welche, da waren sich beide einig, nur über die moralische Bewertung kamen sie nicht ganz überein). Dann trennten sich ihre Wege fürs erste… aber nicht für lange.

Comments

Marganma

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